Wie Chiaro zu uns kam ......
Nachdem uns Châli so plötzlich verlassen hatte, war das Haus sehr einsam. Ich wusste, es musste so schnell wie möglich wieder ein Hund ins Haus. Ich hätte auch einen Mischling aus dem Tierheim geholt. Mein Mann wollte aber unbedingt wieder einen Hovawart. Da er schon damals, als unsere Baska gestorben war, den Wunsch hatte, einen blonden Hovawart ins Haus zu holen, setzte er sich dieses Mal durch. Ich war immer schwarzmarken-Fan. Also willigte ich ein, dass wir nach einem blonden Hovawart uns umsehen werden. Dann kam noch der Wunsch meines Mannes, wieder einen Rüden zu nehmen. Nach zwei Hündinnen sollte es wieder ein Rüde sein.
Wir erkundigten uns nach Züchtern, die in der nächsten Zeit Würfe erwarteten. Eine Reise in das Weingebiet Saale-Unstrut war geplant, um auch den Osten unseres Landes kennen zu lernen, das für uns noch ganz unbekannt war. So kam uns der Gedanke, mal uns dort nach Züchtern umzuschauen. Im Internet konnte ich einen Wurf in Leipzig ausmachen, der Geburtstermin lag allerdings schon vier Wochen zurück. Die Gedanken, dass alle Welpen schon versprochen waren, standen im Vordergrund, als ich bei der Züchterin anrief. Und tatsächlich bestätigte mir die Züchterin bei meinem Anruf, dass noch ein blonder Rüde in dem Wurf frei sei. Ich war total aufgeregt und vor lauter Freude hätte ich alle Welt umarmen können. Leider dauerte es dann noch ein paar Tage, bis wir den Wurf und unseren Rüden endlich besichtigen konnten.
Als wir endlich in Leipzig den Wurf in Augenschein nehmen konnten, haben wir sofort unseren Chiaro ins Herz geschlossen. Er war etwas ganz besonderes. Chiaro hatte sich von seiner besten Seite gezeigt. Er war ein kleiner Rüde, der sich auch öfter von seinen Geschwistern zurück zog und die Geschehnisse um ihn herum mit etwas Abstand betrachtete. Wir haben ihn „den Denker“ genannt. Wir hatten schon überlegt, ob er nicht sogar Sokrates heißen sollte.
Unsere geplante Urlaubsreise konnten wir noch um eine Woche verschieben, so dass wir zum Ende des Urlaubs unseren schönen Blondling mit nach Hause nehmen konnten. Auf der Rückreise machte er im Auto ziemlichen Rabatz. Zuerst hinten im Hundeabteil, aber auch auf meinen Schoß wollte er keine Ruhe geben. Nach einer gewisssen Zeit fügte er sich aber in sein Schicksal und schlief auf der Rückbank unseres Autos ein.
Nach mehreren Pipi-Pausen war die lange Fahrt zu Ende und er inspizierte das neue Zuhause, das wohl noch sehr hündisch roch, denn Châli war wohl geruchlich noch sehr präsent. Chiaro hatte keine Eingewöhnungsprobleme und am nächsten Tag durfte er sogar schon in die Welpenschule. Hier war er zuerst etwas zurückhaltend, fand aber schnell einen guten Freund, mit dem er ausgiebig spielte. Für die Nacht hatte ich für Chiaro an meinem Bett eine schöne Höhle mit Kartons gebaut, in die er hineinkriechen konnte. Immer wenn er unruhig wurde, nahm ich ihn auf den Arm und brachte ihn in den Garten, wo er auch schnell ein kleines Pipi machte. Allerdings hat es bei ihm mit der Stubenreinheit im Gegensatz zu unseren anderen Hunden sehr lange gedauert. Immer wieder hat er vor lauter Spiellust sich vergessen und eine Pfütze ins Haus gemacht.
Chiaros Wesen ...
Chiaro entwickelte sich prächtig. Anfangs kam uns oftmals der Gedanke, dass vielleicht irgendwann einmal ein Golden Retriever in seiner Verwandtschaft zu finden sein sollte. Er ist einfach ein Menschenfreund. Alle Menschen werden stürmisch begrüßt, er liebt Kinder über alles. Mit zweieinhalb Jahren macht er inzwischen allerdings doch Unterschiede, er kann auch jetzt an fremden Personen ohne Begrüßung vorbei gehen. Hinzu kommt noch, dass viele Passanten sowieso denken, es sei ein Golden Retriever und die sind ja nach allgemeiner Einschätzung alle brav. Also Chiaro ist auch wirklich brav. Wenn Kinder uns begegnen muss ich ihn allerdings immer noch zu mir rufen, denn am liebsten möchte er allen Kindern Küsschen geben und umarmen.
Da Chiaro sich zu Menschen so hingezogen fühlt, hatten wir auch schon Überlegungen angestellt, ihn als Therapie-Hund auszubilden. Leider scheiterte dies an den entsprechenden Kontakten, die nicht hergestellt werden konnten. Im Altenheim konnte er öfter schon viele Heimbewohner erfreuen.
Für Chiaro bot sich schon des öfteren die Gelegenheit, einen blinden Kollegen zu begleiten. Der Blindenstock beeindruckte ihn überhaupt nicht, auch wenn der Stock schon mal zwischen seine Beine geriet.
Chiaro darf auch öfter mich ins Büro begleiten. Hier verhält er sich äußerst ruhig, legt sich unter den Schreibtisch und es wird kaum registriert, dass ein Hund unter dem Schreibtisch liegt.
Wenn ich zum Dienst gehe, darf Chiaro am Vormittag mit seinem Herrchen ins Geschäft gehen. Hier hat er „seine Kunden“, die er alle individuell begrüßt. Ein besonderes Verhältnis hat er zu einem kleinen Hosenmatz, der sich gemeinsam mit Chiaro auf seine Decke legt. Der kleine Junge räumt Chiaros Spielekiste aus und gibt Chiaro die einzelnen Spielsachen ins Maul und nimmt sie ihm wieder ab. Auch darf Chiaro sein Herrchen auf dem Weg zur Bank begleiten. Chiaro wird dort mit einem freundlichen Hallo begrüßt, als wäre er der beste Kunde. Er darf seine Pfoten auf den Banktresen legen und erhält von den Bankangestellten immer ein Leckerchen.
Chiaro ist im Haus ein sehr angenehmer Mitbewohner. Er verhält sich hier sehr ruhig, außer es ist jemand an der Haustür, da muss er natürlich melden. Chiaro bettelt nicht am Tisch, klaut nichts - man kann alles Essbare liegen und stehen lassen, leert keine Mülleimer, wedelt mit dem Schwanz keine Gegenstände vom Couchtisch, wirft keine Einrichtungsgegenstände um, frisst keine Zimmerpflanzen auf, versteckt keine Gegenstände, schläft nicht heimlich auf der Couch, kommt nicht ins Bett.
... Fortsetzung folgt
Chiaro ist ein stattlicher Hovawart-Rüde geworden
Chiaro kann man inzwischen als richtigen Freund und Helfer bezeichnen.
Da ich gesundheitliche Probleme habe, wurde Chiaro von mir als Assistenzhund ausgebildet. Er kann den Lichtschalter aus- und einschalten, er bringt mir alle möglichen Gegenstände, die mir auf den Boden gefallen sind. Da ich unter Muskelschwäche leide, fällt es mir oft schwer, ohne Hilfe aus der Hocke wieder in die Senkrechte zu kommen. Ich habe nun Chiaro beigebracht, dass mit dem Kommando "HELFEN" er sofort zu mir kommt. Er stellt sich dann neben mich und ich kann mich an ihm festhalten und hochziehen. Bei Unterzuckerungssymptomen weicht er nicht mehr von meiner Seite, bis ich mit entsprechenden Medikamenten die Unterzuckerung überstanden habe.
Chiaro kann sich unheimlich freuen, wenn er seine Leute sieht. Er stimmt ein wahres Freudengeheul ein, dabei hat er ein Repertoire von tiefem Bass bis zum hohen Tenor. Wenn Frauchen nach Hause kommt lacht er.
Chiaros Homepage
